Sicher, stark und selbstbewusst – Gegen blöde Anmache

An zwei Vormittagen im November fand in den 6-er-Klassen der GemS Eppelborn eine Präventionsveranstaltungen zum Thema Schutz vor sexueller Gewalt statt. Die Beratungsstellen Nele und PHOENIX führten das Projekt in Kooperation mit den Klassenlehrer/innen und der Schoolworkerin durch.

In der Bundesrepublik Deutschland werden im Jahr ca. 12.000 Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern zur Anzeige gebracht (Polizeikriminalstatistik ). Experten schätzen die so genannte Dunkelziffer um möglicherweise bis zu 25 mal höher. Dies würde bedeuten, dass in Deutschland im Jahr bis zu 300.000 Kinder und Jugendliche von sexuellen Übergriffen betroffen wären. Vor Jahren noch wurde geglaubt, dass die Opfer von „Sexuellem Missbrauch“ ausschließlich Mädchen seien, dass auch Jungen Opfer sein könnten wurde nicht für möglich gehalten. Mittlerweile wird davon ausgegangen, dass über 20% der Opfer Jungen sind. Aufgrund dieser Zahlen ist davon auszugehen, dass ca. jeder zehnte Junge und jedes vierte Mädchen von sexuellen Übergriffen betroffen ist. Führt man sich diese Fakten vor Augen, so wird es schwierig in einem Ort, einer Schule oder einem Verein so zu tun, als ob es dieses Gesellschaftsphänomen nur außerhalb deren Reichweite gäbe: bei uns doch nicht??? Deswegen ist es wichtig Kinder für diese Thema zu sensibilisieren und sicher, stark und Selbstbewusst zu machen gegen blöde Anmache.

In den beiden Projektschulstunden wurden den Schülern die beiden Beratungsstellen und deren Arbeit mit den Betroffenen vorgestellt.

„ Wer tut so etwas und wie sieht so jemand aus?“… das sind häufig gestellten Fragen an die Mitarbeiter/innen der spezialisierten Beratungsstellen. Gemeinsam mit den Schüler/innen wurde erarbeitet, wie man einen „netten Erwachsenen“ von einem Täter unterscheiden kann.

Die so genannten „Täter“ sehen ganz normal aus, führen meist ganz normale Beziehungen und sind häufig in der Gemeinde oder dem Umfeld bestens integriert und oft gut angesehen. Solche Personen engagieren sich für Kinder und sind oft mit Eltern gut befreundet. Diese „Nettigkeiten“, die als Teil der Strategie angesehen werden, können gegenüber den Kindern und Jugendlichen als Druckmittel benutzt werden. Wem wird mehr geglaubt, dem netten Herrn aus dem Stadtteil, der z.B. den Fußballnachwuchs trainiert und mit Papa Karten spielt oder einem Kind. Dass auch solche Verhaltensweisen dazu dienen könnten mit Kindern und Eltern in Kontakt zu kommen, auf solche Gedanken kommt erst einmal niemand. Die Wahrnehmung des Umfeldes wird vernebelt, um die Realität anders erscheinen zu lassen. Die attraktiven Angebote des Herrn von nebenan kann kein Mädchen oder Junge ausschlagen. Der nette Mann geht mit ins Kino, zum Fußballplatz, zur Kirmes, mit in den Abenteuerpark, vielleicht macht er auch Geschenke und schmeichelt dem Kind oder Jugendlichen in besonderer Weise. Irgendwann gibt es scheinbar zufällige Berührungen, anzügliche Bemerkungen, die dazu dienen die Grenzen der Kinder oder Jugendlichen langsam zu verschieben und trotzdem auch noch alles im Bereich des Normalen erscheinen zu lassen. Wenn erste Proteste von Kindern gezeigt werden, wie „Was soll das?“, so werden diese häufig abgetan: „Stell dich nicht so an, …das ist doch ganz normal, … das tun doch alle….“. Solche Beispiele könnten unendlich fortgesetzt werden.

Sind Kinder oder Jugendliche erst einmal in die Falle gegangen, wird es für diese schwer sich daraus zu befreien. Gefühle wie Scham und Schuld, die vom Täter verstärkt werden, verhindern häufig ein Darlegen des schmerzlichen Geheimnisses.

Es ist es wichtig für Kinder/Jugendliche, dass sie sich auf ihr „ungutes“ Bauchgefühl und ihre Einschätzung in solchen Situationen verlassen können und gelernt haben ihre persönlichen Grenzen deutlich (auch gegenüber Erwachsenen) zu vertreten. Die Schüler/innen werden ermutigt und sollen wissen, dass sie über eine übergriffige Handlung/Situation ohne Scham sprechen können, um sich Hilfe und Unterstützung zu holen, sei es bei ihren Eltern, Lehrern, Schoolworkern oder in entsprechenden Beratungsstellen. Viele Schüler/innen hatten bereits eine gute Einschätzung dafür, was gute vs. schlechte Geheimnisse und grenzüberschreitende Verhaltensweisen sind. Es gab gute Ideen, wie sie sich in den Beispielhaften Situationen der Arbeitsblätter verhalten würden und sie sich schützen könnten, sei es allein oder mit der Unterstützung von Erwachsenen.

Wie sollen nun Eltern ihre Kinder schützen???
„Geh nicht mit einem Fremden“, so hieß es früher, aber die Warnung vor dem Fremden schützt nicht, da die missbrauchenden Personen in den meisten Fällen keine Fremden sind, sondern Personen aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen. „Stark machen“ und Kinder zu Selbstbewusstsein erziehen ist die Möglichkeit, die Eltern haben, ihre Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Kinder und Jugendliche müssen Werte vermittelt bekommen, die es ihnen ermöglichen, „Nein“ zu sagen. Kinder müssen wissen, dass nicht jedes Geheimnis geheim bleiben muss. Es gibt nämlich gute Geheimnisse und es gibt schlechte Geheimnisse. Über die guten Geheimnisse freut man sich und macht häufig anderen eine Freude (Geburtstagsgeschenk). Die schlechten Geheimnisse lassen einen schlecht schlafen und man fühlt sich nicht wohl, diese darf man verraten, das ist kein „Petzen“. Jedes Kind hat das Recht, sich Hilfe zu holen. Kein Erwachsener hat das Recht, ein Kind gegen seinen Willen anzufassen. Nur der darf mich anfassen, von dem ich es möchte, mein Körper gehört mir. Es muss zwischen angenehmen und unangenehmen Berührungen unterschieden werden. Geschenke dürfen nicht an Gegenleistungen gebunden sein. Es gibt gute und schlechte Gefühle.

Diese Themenbereiche sind wichtige Bestandteile der Präventionsarbeit der spezialisierten Beratungsstellen im Saarland, die zum Thema „Sexuelle Gewalt“ arbeiten.

Es sollen neue Wege gegangen werden, um es Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, sich mit ihrem schmerzlichen Geheimnis jemandem anzuvertrauen und Hilfe, Schutz und Trost zu finden, damit entstandene Wunden in der Seele verheilen können.

Beratungsstelle PHOENIX

Beratung gegen
sexuelle Ausbeutung
von Jungen


Dudweilerstraße 80
66111 Saarbrücken
Tel.:0681-7619685
Fax: 0681-7619686
Email:phoenix@lvsaarland.awo.org
http://www.awo-saarland.de/index.php?id=782

Beratungsstelle Nele

Beratung gegen
sexuelle Ausbeutung
von Mädchen


Dudweilerstraße 80
66111 Saarbrücken
Tel.:0681-32043
Fax: 0681-32093
Email: nele-sb@t-online.de
http://www.nele-saarland.de/